ISO 26000

ISO 26000 ist ein Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und Organisationen jeweder Art und Branche. Dieser Leitfaden ist nicht für Zertifizierungszwecke vorgesehen und geeignet und dient lediglich als Orientierungsrahmen für die Rahmenbedingungen gesellschaftlicher Verantwortung.

ISO 26000 soll 2010 in Kraft treten und wird sich dann an Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen (NROs), Gewerkschaften und staatliche Organisationen in Industrie- und Entwicklungsländern richten.

Mehr als 90 Länder und über 30 Organisationen, u. a. IAO, OECD, UNIDO, Global Reporting Initiative, nehmen gemeinsam mit Experten am Prozess der Standardentwicklung teil. Die Länderexperten repräsentieren dabei sechs Akteursgruppen (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Regierungen, NRO/NGO, Verbraucherorganisationen, Dienstleister und Forschung).

Die Anwendung von ISO 26000 ist freiwillig, beinhaltet keine obligatorischen Auflagen an die Teilnehmenden und ist nicht zertifizierbar. Der Leitfaden soll Orientierung geben und dabei: 

  • national und international tätige Organisationen darin unterstützen, ihre gesellschaftliche Verantwortung unter Berücksichtigung der kulturellen, gesellschaftlichen, umweltbezogenen und rechtlichen Unterschiede und Bedingungen der ökonomischen Entwicklung aktiv wahrzunehmen, 
  • praktische Anleitung geben, um soziale Verantwortung umzusetzen, relevante gesellschaftliche Akteure zu identifizieren und einzubinden sowie die Glaubwürdigkeit der Unternehmensberichterstattung und die Ansprüche an gesellschaftliche Verantwortung zu erhöhen,
  • die Darstellung und Umsetzung der Ergebnisse unterstützen,
  • Vertrauen und Zufriedenheit in Organisationen sowie in der Beziehung zu Kunden und gesellschaftlichen Akteuren erhöhen,
  • in Übereinstimmung stehen mit bestehenden rechtlichen Grundlagen, internationalen Vereinbarungen und Konventionen und ISO Standards,
  • nicht die staatliche Verantwortung und Autorität für die Umsetzung sozialer Verantwortung reduzieren, 
  • die Entwicklung einer gemeinsamen Begrifflichkeit zu sozialer Verantwortung fördern,
  • insgesamt das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung erhöhen.

Themen, die eine Organisation zur Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung im Sinne der ISO 26000 beachten muss, sind:

  • Menschenrechte (Human Rights), inkl. Gewerkschaftsfreiheit und kollektive Verhandlungsfreiheit, Nichtdiskriminierung, Kinder- und Zwangsarbeit entsprechend der Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO),
  • Arbeitsbestimmungen (Labour Practices), inkl. Arbeitssicherheit und Gesundheit, Löhne, Arbeitszeit, Restrukturierung, Disziplinarmaßnahmen, sexuelle Belästigung,
  • Unternehmenspolitik zur Mitbestimmung (Organisational Governance), inkl. Aktionärsrechten, Teilnahme an Entscheidungen, Information von gesellschaftlichen Akteuren,
  • Verbraucherpolitik (Consumer Issues), u. a. Information, Gesundheit, Verträge, Werbung und Kinder, Kennzeichnung,
  • bürgerschaftliche Beteiligung (Community Involvement), inkl. Beschäftigung, Ausbildung, Technologietransfer, Steuern, Ressourcennutzung, Gesundheit, kulturelles Erbe, Infrastruktur,
  • faire Organisationspraxis (Fair Operating Practices), inkl. fairem Wettbewerb, Korruption, Geldwäscherei, Schutz der Privatsphäre, Schutz des geistigen Eigentums,
  • Umwelt, u. a. Vermeidung von Umweltverschmutzung, Treibhausgasproblematik, nachhaltige Bodennutzung, Schutz von Ökosystemen.

Aus Sicht der internationalen Verbraucherorganisationen weist der aktuelle Entwurf von ISO 26000 begrüßenswerte Kernelemente auf. So kommt gesellschaftlich verantwortliches Verhalten im Engagement für das Kerngeschäft zum Ausdruck. Die verantwortliche Praxis und die Übernahme von Verantwortung beziehen sich auf die gesamte Wertschöpfungskette. Das heißt, dass die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen nicht am Werktor endet, sondern Umwelt- und Sozialstandards auch in der ausgelagerten Produktion eingehalten werden müssen. Die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung wird auf diese Weise als Querschnittsaufgabe im Unternehmen verankert. Die Berichterstattung über die Aktivitäten von Unternehmen soll es Verbrauchern und Analysten erleichtern, die Umwelt-und Sozialpolitik der Organisationen u. a. mit anderen, ähnlichen Organisationen zu vergleichen.

Kritische Stimmen machen darauf aufmerksam, dass Elemente wie faire Einkaufspreise oder angemessene Lieferzeiten für Zulieferer im Verlauf der Verhandlungen auf Betreiben der Industrie wieder aus dem Leitfaden verschwunden sind. Darüber hinaus greift der Leitfaden (Version 2008) nicht die üblichen Methoden zur Verbesserung der sozialen und ökologischen Bedingungen in der Lieferkette auf, wie unter anderem die Prüfung der Zulieferbetriebe in Produktionsländern durch unabhängige Auditoren und unangekündigte Besuche vor Ort. Schulungsmaßnahmen für Manager und Arbeiter in Zulieferbetrieben werden ebenso wenig empfohlen wie der Aufbau eines Beschwerdesystems bei Arbeitsrechtsverletzungen in Zulieferbetrieben. Außerdem bleibe die Definition eines existenzsichernden Lohns hinter den Forderungen einiger Organisationen zurück. Geklärt werden muss außerdem, inwieweit im Rahmen der sozialen Verantwortung der unternehmensbezogenen Lieferketten neben direkten Zulieferern auch Subunternehmer und Heimarbeit berücksichtigt werden sollen. Gerade in diesen Bereichen wird das Risiko von Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen, z. B. ausbeuterische Kinderarbeit, als am größten eingeschätzt. 

Als Leitfaden zur Verankerung von Aktivitäten zur gesellschaftlichen Verantwortung bezieht sich die ISO 26000 vor allem auf die Ebene der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens oder einer Organisation. Die Kriterien beziehen sich auf die Gestaltung eines umwelt- und sozialpolitisch verantwortungsbewussten und nachhaltigen Leitbilds, faires Handeln, bürgerschaftliches Engagement und Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit des Unternehmens oder der Organisation. 

Kontakt

Aktueller Stand des Leitfadens gesellschaftlicher Verantwortung (ISO 26000) und Kontakt:
http://isotc.iso.org/livelink/livelink/fetch/2000/2122/830949/3934883/
3935096/work_area.html

Norm-Entwurf unter:
www.nasg.din.de/cmd?bcrumblevel=1&contextid=nasg&subcommitteeid=
76551141&projid=83674682&level=tpl-proj-detailansicht&committeeid=
54739031&languageid=de