Deutsches Gütesiegel Nachhaltiges Bauen

DGNB_neu

Rubrik

Bauen & Renovieren

Produkte

Nachhaltige Gebäude

Vergabekriterien

Das "Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen" wurde 2008 gemeinsam vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) vorgelegt. Es ist ein umfassendes planungsbasiertes Bewertungssystem für nachhaltige Gebäude und orientiert sich an der Normung des European Committee for Standardization (CEN) mit der Norm CEN TC 350. Das deutsche Gütesiegel geht zum Teil über die europäische Norm hinaus und soll herausragende Planungsleistungen im Bereich des nachhaltigen Bauens würdigen sowie für alle Marktteilnehmer (Bauherren, Planer, Nutzer, Investoren etc.) sichtbar machen.

Das "Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen" berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden. Es wurde im ersten Schritt für neue Büro- und Verwaltungsgebäude entwickelt. In der derzeitigen Version 2008, die aus der Pilotphase des Zertifizierungssystems entstanden ist, wird die Nachhaltigkeit neuer Büro- oder Verwaltungsgebäude an Hand von 49 Kriterien gemessen.
Die Hauptkriteriengruppen des Gütesiegels sind:

  • Ökologische Qualität: Wirkungen auf die globale und lokale Umwelt, Ressourceninanspruchnahme und Abfallaufkommen,
  • Ökonomische Qualität: Lebenszykluskosten, Wertentwicklung,
  • Soziokulturelle und funktionale Qualität: Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit, Funktionalität, gestalterische Qualität,
  • Technische Qualität: Qualität der technischen Ausführung,
  • Prozessqualität: Qualität der Planung, Qualität der Bauausführung.

Die Prüfbedingungen für die einzelnen Kriterien orientieren sich an hohen Standards. So werden als Nachweis für Holz ausschließlich Zertifikate anerkannt, die von einer durch den Forest Stewardship Council (FSC) oder durch eine vom Program for Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft nachprüfbar ausgestellt sind.

Standortqualität ist eine weitere Kriteriengruppe, welche gesondert bewertet wird, aber nicht in die Gesamtbewertung mit ein geht.

Vergabeverfahren

Ab Beginn der Projektentwicklung und Planung müssen die unterschiedlichen Kriterien des Nachhaltigen Bauens (siehe oben) berücksichtigt werden. Ziel ist die hohe planerische Qualität mit langfristig gut durchdachten Konzepten für den Bau unter Berücksichtigung der Wirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sowie einer genauen Abschätzung der Lebenszykluskosten. Frühe Zusammenarbeit von allen Beteiligten und eine gute Dokumentation des Planungsablaufs sind verpflichtend.

Soll ein geplantes Gebäude zertifiziert werden, beauftragt die Bauleitung einen bei der DGNB akkreditierten Auditor, der aufgrund einer Ausbildung mit den Anforderungen des Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen vertraut ist: Der Auditor begleitet die Bauleitung auf dem Weg zum Zertifikat mit Beratung zu allen Fragen des nachhaltigen Bauens, Zielformulierungen für das geplante Gebäude sowie die Integration der vereinbarten Nachhaltigkeitskriterien im Planungsteam. Um die Zertifizierung für das geplante Gebäude auf den Weg zu bringen, registriert der Auditor das Objekt über die Website der DGNB. Nach dieser Anmeldung reicht der Auditor ein objektspezifisches Pflichtenheft bei der DGNB ein mit klaren Angaben in Bezug auf alle Kriterien des "Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen" und stellt eine verbindliche Absichtserklärung der Bauleitung dar, die geplanten Leistungsziele des Objekts zu verwirklichen. Die DGNB prüft die eingereichten Unterlagen. Entsprechen sie den Anforderungen des Gütesiegels, erhält die Bauleitung ein Vorzertifikat für das Gebäude. Sie übernimmt damit die Verantwortung für die Umsetzung des eingereichten Pflichtenheftes und bekommt gleichzeitig das Recht, dieses Vorzertifikat – in Gold, Silber oder Bronze – für die Vermarktung dieses Objekts zu verwenden. Auf dieser Grundlage können die Ausführungsplanung und Umsetzung der Baumaßnahme beginnen. Nach Fertigstellung des Gebäudes überprüft die DGNB, ob die Vorgaben des Vorzertifikats umgesetzt wurden. Ein Gutachter führt eine Konformitätsprüfung auf Basis der DGNB Dokumentations-Richtlinie durch, macht Plausibilitätskontrollen und Stichproben. Abschließend prüft die DGNB den ordnungsgemäßen Ablauf des gesamten Zertifizierungsverfahrens. Sind alle Anforderungen erfüllt, erhält die Bauleitung je nach Erfüllungsgrad von DGNB und BMVBS das Gütesiegel in Gold, Silber oder Bronze. Sie kann diese im Rahmen seiner Kommunikationsarbeit einsetzen.

Für die einzelnen Kriterien werden nach klaren Regeln Punkte vergeben. Dabei fließen die drei klassischen Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie, Sozio-Kulturelles) gleichgewichtet mit der Querschnittsqualität Technische Qualität mit jeweils 22,5 Prozent in die Gesamtnote ein. Die Prozessqualität wird als Querschnittsqualität mit zehn Prozent gewichtet. Die Standortqualität fließt nicht in die Gesamtnote ein, wird aber separat ausgewiesen. Am Ende steht eine Gesamtbewertung, welche die ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Belange berücksichtigt und gleichzeitig die technische und planerische Leistung bewertet.

Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 50 Prozent wird das Gütesiegel in Bronze verliehen, ab 65 Prozent in Silber und ab 80 Prozent in Gold. Der Gesamterfüllungsgrad wird alternativ mit einer Note angegeben: Ein Gesamterfüllungsgrad von 95 Prozent entspricht der Note 1,0, 80 Prozent entspricht 1,5 und 65 Prozent entspricht 2,0.

Die Prüfung des Zertifikats erfolgt von einer unabhängigen Stelle. Die Möglichkeit, schon in einer sehr frühen Phase ein Vorzertifikat zu erhalten, um mit diesem entsprechend werben zu können, ist vorgesehen. Das eigentliche Gütesiegel wird nach der Fertigstellung verliehen, um die Umsetzung der Anforderungen an die Nachhaltigkeit entsprechend prüfen zu können.

Bewertung

Mit dem "Gütesiegel Nachhaltiges Bauen" liegt ein erstes Nachhaltigkeitszertifikat für Gebäude vor, welche über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Mit der Berücksichtigung aller Nachhaltigkeitsdimensionen innerhalb der Kriterien und Anforderungen ist eine breite inhaltliche Vergabegrundlage gegeben, welche den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mit seinen Rohstoffen, Produktions- und Verarbeitungsprozessen berücksichtigt.

Es sind nachprüfbare Kriterien mit klarem Bezug vorhanden. Die Kriterienentwicklung, Zeichenvergabe und Kontrolle erfolgt unter Hinzuziehung unabhängiger Stellen. Vergabekriterien und -verfahren sind angemessen dokumentiert und veröffentlicht.

Note

empfehlenswert

Kontakt

DGNB
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V.
Kronprinzstraße 11
70173 Stuttgart
Tel: +49 (0)711-72 23 22 0
Fax: +49 (0)711-72 23 22 99
info@dgnb.de
www.dgnb.de



Zurück